Denk-Mahl

Das Blog für Freunde des eigenen Verstandes

27. Oktober 2015
von Johannes Bucej
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Die Sünde des Fleisches

Eine Studie der WHO und ihre Konsequenzen

Die IARC – die Krebsagentur der WHO – stuft rotes Fleisch also als „wahrscheinlich krebserregend“ bzw. verarbeitetes rotes Fleisch (gepökelt, geräuchert, gegrillt …) als „krebserregend“ ein. Welch bahnbrechende Neuigkeit – welch hoher Erkenntniswert. Allgemein bekannt ist, dass in Südamerika und in den USA – mithin Regionen, in denen Rindfleisch in für den Normalesser unvorstellbaren Mengen verzehrt werden soll (und worauf ja die Kulinarik dieser Völker offenbar beruht) – die Darmkrebsrate signifikant höher liegt als – sagen wir – in Asien oder Afrika. Man hätte also nur die einschlägigen Statistiken anschauen müssen, um schon längst Alarm zu schlagen oder die überfälligen Schlüsse zu ziehen. So weit, so banal. Doch es stellt sich eine ganz andere Frage. Nämlich die nach dem Wert und dem Zweck dieser „Sensationsmeldung“, die sich kein deutsches Leitmedium gestern entgehen ließ. Weiterlesen →

15. Juli 2015
von Johannes Bucej
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Guten Appetit

Ein paar Anmerkungen zum Thema „Bin ich, was ich esse“ im Philosophie-Magazin 4/2015 – Fortsetzung von „Ich verzehre mich nach mir“

Hunger und Sexualität – gleichwertige Bedürfnisse?

Werfen wir noch einmal einen Blick auf das Editorial von Wolfram Eilenberger und fragen nach den Voraussetzungen? Guter Sex habe „Gabecharakter“ schreibt Eilenberger. Der Akt des Essens sei dagegen immer nichtkonsensuell, unilateral, gewaltbehaftet. Damit wird zunächst behauptet, Sexualität und Ernährung seien gleichwertige, gleichartige Bedürfnisse. Doch ist dem tatsächlich so? Muss sich das Nachdenken über beide – oder nur über eines von beiden – nicht vielmehr daran orientieren, was jedem für sich eigen ist? Schon darin liegt der erste Irrtum, hervorgerufen durch eine Begriffsunschärfe. Weiterlesen →

14. Juli 2015
von Johannes Bucej
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Ich verzehre mich nach mir …

„Bin ich, was ich esse?“; lautete die Titelfrage, der die Redaktion des Philosophie-Magazins in der diesjährigen vierten Ausgabe ein Dossier von rund 25 Seiten widmete. Gleich im Editorial bekannte Chefredakteur Wolfram Eilenberger, mit dem Thema seine liebe Not gehabt zu haben, wolle es ihm doch, seitdem er darüber nachdenke, nicht mehr so recht schmecken. Das Problem: Anders als guter Sex, dem doch Gabecharakter eigne, der auf wechselseitiger Einwilligung und Bejahung beruhe, sei der Akt des Essens immer nichtkonsensuell, unilateral, gewaltbehaftet. Er basiere für Wesen wie uns fast ausnahmslos darauf, etwas getötet zu haben, was eigentlich leben wolle. Und das gelte auch für bewussten, ethischen, nachhaltigen Konsum. Andererseits: Es gebe wenige Fragen, die wichtiger seien im Leben als die des Essens. Dazu passt, dass der zweite Schwerpunkt in diesem Heft „Dostojewski und die Schuld“ ist. Überhaupt dreht sich viel um dieses Thema „Schuld“, u. a. in einem Interview mit dem inzwischen zurückgetretenen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis. Weiterlesen →

19. Mai 2015
von Johannes Bucej
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Handlungsfreiheit statt Freihandel

Thilo Bode (Mitarbeit von Stefan Scheytt): Die Freihandelslüge. Warum TTIP nur den Konzernen nützt und uns allen schadet, München, DVA Sachbuch 2015, 272 Seiten, gebunden, € 14,99, zu beziehen über die Buchhandlung Ihres Vertrauens

Zwei Monate und gefühlte tausend Rezensionen nach Erscheinen des Buchs noch eine weitere Besprechung? Muss das sein? Nennt sich das noch „aktuell“? Doch Aktualität ist nicht alles.  Und wer sagt denn, dass dies hier nur noch eine weitere Würdigung wird? Vielmehr geht es auch darum, anhand von weiteren Entwicklungen beurteilen zu können, ob und inwiefern sich ein Buch wie das von Thilo Bode auswirkt, bewahrheitet oder – nachdem der Hype darum wieder abgeflaut ist – in Vergessenheit gerät. Nun, letzteres ist nicht zu befürchten. Dafür ist der Autor zu quirlig und rührig. In Sachen Kampagne macht ihm so schnell keiner was vor. Weiterlesen →

13. Mai 2015
von Johannes Bucej
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Wenn Individualität zum Mainstream wird – Junge Winzer und ihre Kraftausdrücke

Münchner Merkur 12.5.2015: Betont lockere Sprache – so locker, dass es schon wieder voll der Krampf ist. Weinnamen wie „Blutsbruder“ oder „Pornfelder“, „Der Wilde“ oder „Der Held“ sind angesagt. Sollen eine „Geile-Weine-Generation“ anmachen, die sich von der altväterlichen Art traditioneller Weintrinker eher abgeturnt fühlen. – Es muss rocken. Notfalls bis der Arzt kommt. Ob sich damit das Geheimnis des Weins in der Flasche tatsächlich erschließt, darf bezweifelt werden. Plakative Anmache? Das mag ja für den unbedachten Griff ins Supermarktregal taugen. Aber dafür sind diese Weine wohl eher nicht gedacht. Das intendierte Preissegment ist doch ein anderes.

Wie wär’s, wenn sie einfach bei dem bleiben, was sich bewährt hat: nämlich draufschreiben, was drin ist? Zu spießig? Zu unverständlich? Zu elitär? Ach was – es gibt nämlich eine Methode, hinter das Geheimnis der Weinsprache zu kommen: probieren und fragen, wenn man etwas nicht versteht. Wie hieß das doch damals in der Kindersendung: „Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“