Denk-Mahl

Das Blog für Freunde des eigenen Verstandes

19. Mai 2015
von Johannes Bucej
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Handlungsfreiheit statt Freihandel

Thilo Bode (Mitarbeit von Stefan Scheytt): Die Freihandelslüge. Warum TTIP nur den Konzernen nützt und uns allen schadet, München, DVA Sachbuch 2015, 272 Seiten, gebunden, € 14,99, zu beziehen über die Buchhandlung Ihres Vertrauens

Zwei Monate und gefühlte tausend Rezensionen nach Erscheinen des Buchs noch eine weitere Besprechung? Muss das sein? Nennt sich das noch „aktuell“? Doch Aktualität ist nicht alles.  Und wer sagt denn, dass dies hier nur noch eine weitere Würdigung wird? Vielmehr geht es auch darum, anhand von weiteren Entwicklungen beurteilen zu können, ob und inwiefern sich ein Buch wie das von Thilo Bode auswirkt, bewahrheitet oder – nachdem der Hype darum wieder abgeflaut ist – in Vergessenheit gerät. Nun, letzteres ist nicht zu befürchten. Dafür ist der Autor zu quirlig und rührig. In Sachen Kampagne macht ihm so schnell keiner was vor. Weiterlesen →

13. Mai 2015
von Johannes Bucej
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Wenn Individualität zum Mainstream wird – Junge Winzer und ihre Kraftausdrücke

Münchner Merkur 12.5.2015: Betont lockere Sprache – so locker, dass es schon wieder voll der Krampf ist. Weinnamen wie „Blutsbruder“ oder „Pornfelder“, „Der Wilde“ oder „Der Held“ sind angesagt. Sollen eine „Geile-Weine-Generation“ anmachen, die sich von der altväterlichen Art traditioneller Weintrinker eher abgeturnt fühlen. – Es muss rocken. Notfalls bis der Arzt kommt. Ob sich damit das Geheimnis des Weins in der Flasche tatsächlich erschließt, darf bezweifelt werden. Plakative Anmache? Das mag ja für den unbedachten Griff ins Supermarktregal taugen. Aber dafür sind diese Weine wohl eher nicht gedacht. Das intendierte Preissegment ist doch ein anderes.

Wie wär’s, wenn sie einfach bei dem bleiben, was sich bewährt hat: nämlich draufschreiben, was drin ist? Zu spießig? Zu unverständlich? Zu elitär? Ach was – es gibt nämlich eine Methode, hinter das Geheimnis der Weinsprache zu kommen: probieren und fragen, wenn man etwas nicht versteht. Wie hieß das doch damals in der Kindersendung: „Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“

1. Mai 2015
von Johannes Bucej
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Essen der Zukunft

Zwei Artikel, einer auf SZ online, einer aus der aktuellen ZEIT – ein Thema: Essen, Aber so, dass einem in beiden Fällen der Appetit vergeht. –
Auf SZ online der preisgekrönte Artikel  „Die Schlachtordnung“ (Herbert-Riehl-Heyse-Preis der SZ) der ZEIT-Redakteurin Anne Kunze über die Fleischwirtschaft im Norden Deutschlands und ausgebeutete Arbeiter aus Osteuropa. Wer danach noch sein Fleisch im Discounter oder Supermarkt kauft, ist ein gewissenloser Schuft. Das gilt übrigens auch für Wirte und Köche.

Im Wirtschaftsteil der ZEIT vom 29.4.: das Essen der Zukunft unter dem Titel „Das jüngste Gericht“. Fleisch aus dem Labor, Eier ohne Hühner, Vertical Farming in all seinen Facetten – ein Milliardengeschäft, das nicht etwa findige Agraringenieure bewerkstelligen, sondern die Nerds aus dem Silicon Valley mit Unterstützung der IT- Milliardäre Peter Thiel (Facebook, Paypal), Bill Gates (Microsoft), Sergej Bryn (Google), Biz Stone (Twitter). Weiterlesen →

7. April 2015
von Johannes Bucej
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Geistig-moralische Bankrotterklärung

Ende März, spät abends: Im ZDF läuft „Die Anstalt“ mit Claus von Wagner und Max Uthoff – für politisch nicht ganz Desinteressierte ein Pflichttermin unter den Satiresendungen, die sonst so im Öffentlich-Rechtlichen laufen – jedenfalls fast immer ein „Must“. Das aktuelle Dauerthema: Griechenland, Schuldenkrise, EU- und Deutschlandpolitik – möglicher „Grexit“ usw. Kennt man ja alles. Intelligenter Wortwitz von allen anwesenden Kabarettisten – und dann, gegen Ende der Sendung fällt dem Zuschauer doch noch kurz die Kinnlade aus der Verankerung. Weiterlesen →

15. März 2015
von Johannes Bucej
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Essen als Religion

Hanni Rützler, Wolfgang Reiter: Muss denn Essen Sünde sein? Orientierung im Dschungel der Ernährungsideologien, Wien, Christian Brandstätter Verlag, 2015, 182 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 19,90, zu beziehen über die Buchhandlung Ihres Vertrauens

Essen und Religion gehören zusammen – seit jeher. Ob man ein Opfer darbringt und ein rituelles Essen anschließt, ob man ein Gedenkmahl feiert – wie beim christlichen Abendmahl oder beim jüdischen Pessachfest – oder gar Verzicht übt im Fasten und am Ende dieser Zeit, beim Fastenbrechen, erneut mit einem Mahl feiert. Und es ist kein Spezifikum einer bestimmten Religion, sondern Bestandteil jeglichen Kultes oder Bekenntnisses.

Neu aber ist, dass Essen nicht nur Bestandteil der Religion, Teil des Kultes ist, sondern dass es selbst zur Religion geworden ist. Weiterlesen →