Denk-Mahl

Das Blog für Freunde des eigenen Verstandes

10. März 2015
von Johannes Bucej
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1000 Peitschenhiebe

Seit Wochen ist es ein Thema in den Medien: die Verurteilung des jungen saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi zu 10 Jahren Haft, 250.000 Dollar Geldstrafe und 1000 (i. W.: tausend) Peitschenhieben. Sein „Vergehen“: Kritik an der saudi-arabischen Religionspolizei, ihrer Willkür, ihrer Macht. Tausend Peitschenhiebe – schon die schiere Zahl ist für uns unvorstellbar. Als wären die Haft und die existenzbedrohende Geldstrafe nicht schon Skandal genug und als bedürfte es noch eines weiteren Beweises für die Barbarei, die ein radikaler Islam anzurichten imstande ist. Doch das hier ist anders. Weiterlesen →

29. Januar 2015
von Johannes Bucej
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Tschüss, Pegida … – willkommen Aufklärung!

Auflösungserscheinungen bei den selbsternannten „Patriotischen Europäern“. Führungsspitze weg, Demo abgesagt – gut so. Haben sie endlich gemerkt, dass ihre kruden Parolen nicht gut angenommen werden von denen, die wirklich „das Volk“ sind – nämlich jene gar nicht schweigende Mehrheit der Bürger, die eine offene, tolerante und respektvolle Gesellschaft mit einem Bekenntnis zur Humanität jedem autoritären Denken vorziehen. Einer der bizarrsten Auswüchse von Pegida und Konsorten war ja die mangelnde Gesprächsbereitschaft dieser „Bewegung“. Sie wollten nicht diskutieren, denn dann wäre ja offenbar geworden, welchen Dünnsinn sie verzapfen. Sie wollten einfach nur „recht bekommen“. „Jetzt red ich!“ Braucht es einen weiteren Beweis für das schwache Selbstbewusstsein dieser „Bürger auf der Suche nach Selbstbestätigung“? Dass die Mehrheit nicht zu dieser „Gruppentherapie“ bereit ist, wen wundert’s?

Aber ist damit das Problem erledigt? Sollen wir sie wirklich „im Regen stehen lassen“? Sollen oder können wir zur Tagesordnung zurückkehren, uns um aktuelle neue Aufreger (Wahl in Griechenland!) kümmern? Ich denke, es ist jetzt eher die Zeit gekommen, sich selbstkritisch zu fragen, wie wir eigentlich mit den errungenen und offenbar zu selbstverständlich gewordenen Freiheiten umgehen. Vielleicht kann man es so sagen: Durch Pegida, aber auch durch die entsetzlichen Anschläge in Paris sind wir aus dem selbstgefälligen Schlaf geweckt worden, aus dem süßen Schlummer, der uns einlullte und so trügerisch sicher machte, dass Freiheit, Toleranz, Respekt, Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt doch vielleicht nicht so allgemein akzeptiert sind, wie wir uns das einbilden. Offenbar gibt es einen Teil der bundesdeutschen Bevölkerung, der sich damit überfordert fühlt. Und das gibt zu denken.

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17. Januar 2015
von Johannes Bucej
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Gotteslästerung?

Die grausamen Anschläge von Paris sind gerade einmal eine Woche her, da werden schon wieder Überlegungen angestellt, wie man sich selbst zensieren kann … Allen öffentlichen Bekundungen zum Trotz, sich von den Terroristen nicht den Schneid abkaufen zu lassen, fordern konservative Politiker allen Ernstes eine Verschärfung des Strafparagrafen zur „Gotteslästerung“ (§ 166 StGB). Auf der anderen Seite stehen diejenigen, denen öffentliche Religionsausübung eh ein Dorn im Auge ist und die sich deshalb für die vorbehaltlose Abschaffung einsetzen.

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31. Dezember 2014
von Johannes Bucej
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Viel Glück für 2015!

Das Jahr 2014 geht zu Ende, und jeder wünscht seinen Lieben – und hofft für sich selbst natürlich auch auf – viel Glück für das bevorstehende. Doch was wünschen wir uns eigentlich da? Klar, „gutes Gelingen“ – denn mit dem Gelingen hängt das Wort Glück sprachlich zusammen, es kommt vom mittelhochdeutschen „Gelücke“.

Dass aber etwas gelingt, hängt davon ab, dass wir etwas dafür tun. Ohne unser Dazutun gibt es also kein Glück. Nichts tun und darauf warten, ob es denn einfach mal vorbeischaut, scheint also nicht sehr erfolgversprechend.

Klingt das nicht sehr nach Aktionismus? Danach, dass jeder seines Glückes Schmied ist? Und ist das nicht tatsächlich auch von vielen anderen Faktoren abhängig, die nicht in unserer Macht stehen? Genau für diese Unwägbarkeiten könnte das Glück stehen, das man uns wünscht. Durch „Gschaftlhuberei“, durch übermäßigen Aktionismus, den Drang, alles beherrschen zu wollen, könnten wir allerdings die „glücklichen Umstände“ übersehen, die uns beim Erreichen unserer Ziele entlasten und damit freier machen könnten – oder die uns auch mal davon abhalten, zu erzwingen, was wir für erstrebenswert halten.

Deshalb gilt auch hier: mit Augenmaß agieren. Gelassen die Dinge angehen. Und, ja, durch aus auch mal seelenruhig abwarten können. Nachdenken, ins Gespräch kommen mit anderen – und sich mit ihnen austauschen. Zu seiner „inneren Mitte finden“. Wenn das kein Glück ist …

Ich wünsche Ihnen in 2015 eine ganze Menge davon.

18. Dezember 2014
von Johannes Bucej
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Würde ist kein Konjunktiv. Eine Reflexion über Wert und Wertschätzung

Die Würde des Menschen beginnt mit dem Kochtopf? Dieser Satz bedarf nicht erst nach der Schließung der Ställe des Massenzüchters Straathof einer Klarstellung. Denn so einfach ist das natürlich nicht.

Die Zeiten, in denen wir uns selbst um unsere Nahrung kümmerten, sei es als Jäger und Sammler, sei es als Sesshafte oder Nomaden durch Ackerbau und Viehzucht – und die daraus resultierenden Verarbeitungen –, diese Zeiten also sind schon längst vorbei, und wer heute noch selbst am Herd steht, kocht, einmacht, bäckt usw., tut dies oft nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Freude am Tun. Das ist ja als solches nicht verwerflich. Im Gegenteil. Freude ist ein hohes Gut. Manche nennen es auch Glück. Und als solches ist es Thema der Philosophie seit Anbeginn.

Nun ist aber diese Freude verbunden mit Mühe – die wir gelegentlich gern auf uns nehmen, weil wir darin Erfüllung finden. Meist aber scheuen wir sie, weil wir die Erfüllung – neudeutsch „Flow“ – gegen kurzlebige Bedürfnisbefriedigung eintauschen. Doch das hat seinen Preis. Weiterlesen →